Marketplace Signals Vol. 2

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Marketplace Signals Vol. 2
mi-commerce · KW 17 · April 2026
Marketplace Signals
Die wichtigsten Entwicklungen. Klar eingeordnet. Für deine Entscheidungen.
 
Willkommen zu Ausgabe 2! In dieser Ausgabe geht es um Kostenveränderungen bei Amazon, AI-Investitionen, Marktplatz-Expansion und Live Commerce – plus Praxistipps für den Alltag.

Bei Fragen oder Anmerkungen einfach auf LinkedIn schreiben.

Viel Spaß beim Lesen!
 
 
 
These der Woche
Amazon dreht die Kostenschraube in kleinen Schritten – wer nicht aktiv rechnet, merkt es erst, wenn die Marge weg ist.
Zwei Änderungen, beide harmlos verpackt. Beim Treibstoffzuschlag: fällt geringer aus als bei anderen Transportdiensten. Beim Remissionsmodell: kein Handlungsbedarf, die Gebühren bleiben gleich. Stimmt alles – und trotzdem landet am Ende des Monats weniger auf deinem Konto. Nicht weil Amazon lügt, sondern weil kleine Verschiebungen im System sich summieren. Wer seine Kalkulation nicht regelmäßig überprüft, wird das erst im Jahresabschluss sehen.
 
 
Termine auf einen Blick
 
17. Apr. 2026
Treibstoff- & Logistikzuschlag (FBA) startet
1,5 % auf Versandgebühren in DE, UK, FR, IT, ES, PL, SE, NL, IE, BE
30. Apr. 2026
Prime Day Frühbucher-Deadline
30 % Rabatt auf Vorabgebühr bei frühzeitiger Einreichung
1. Mai 2026
Neues Remissions- & Entsorgungsmodell
Gebühren pro Einheit zum Zeitpunkt der Remission
2. Mai 2026
Treibstoffzuschlag MCF startet
1,5 % für Multi-Channel-Fulfillment in UK, FR, DE, IT, ES
27. Mai 2026
FBA Lagerbestand-Deadline Prime Day
Eingang bis zu diesem Datum für garantiertes Prime-Logo
19. Jun. 2026
Letzte Einreichung Prime Day Angebote
Deadline für Beste Angebote, Blitzangebote & Prime-Rabatte
1. Jun. 2026
Neues USt-Berechnungsmodell
Steuer künftig auf Sendungsebene statt pro Einheit
4. Jun. 2026
Sustainability Accelerator – Bewerbungsstart
23.000 € Förderung für nachhaltige Brands (EU/UK)
 
 
Meinung
 
 
Reality Check
83,4 % – und trotzdem reden alle von Unabhängigkeit
Nach den Zahlen der ECDB läuft 83,4 % des globalen E-Commerce über Marktplätze. Das ist kein Trend. Das ist die Realität.

Und trotzdem höre ich immer noch:
  • „Wir fokussieren uns auf unseren eigenen Shop“
  • „Wir machen uns unabhängig von Plattformen“
  • „Marktplätze sind nur ein zusätzlicher Kanal“
Das war vielleicht mal richtig. Heute ist es Wunschdenken. Marktplätze sind nicht ein Kanal – sie sind Nachfrage, Distribution und Infrastruktur.

Amazon wird Logistik für Shopify. TikTok wird Vertrieb und Nachfrage in einem. Plattformen kontrollieren nicht mehr nur Traffic – sondern die komplette Wertschöpfung.

Die unbequeme Wahrheit: Du entscheidest nicht mehr, ob du Teil des Systems bist. Nur noch, wie bewusst du es spielst.
 
 
 
Leitartikel
Amazon investiert Milliarden in AI – und die meisten Seller unterschätzen, was das bedeutet
Das ist kein Tech-Update. Das ist ein Steuerungswechsel.

Amazon → Anthropic: Investment-Zeitlinie
  • 2023: $1,25 Mrd. initial → Ziel bis zu $4 Mrd. Gesamt
  • 2024: +$2,75 Mrd. → später +$4 Mrd. → Gesamt $8 Mrd.
  • 2026: +$5 Mrd. sofort → bis zu $20 Mrd. zusätzlich möglich
  • Gesamtpotenzial: bis zu $33 Mrd.
Parallel verpflichtet sich Anthropic zu über $100 Mrd. für AWS-Infrastruktur.

Amazon baut eine neue Ebene ein: AI als Zwischenschicht zwischen dir und dem Kunden.

Heute basiert Ranking auf Keywords und Performance. Morgen entscheidet AI, welches Produkt gezeigt wird, welche Features hervorgehoben werden und welche Alternativen empfohlen werden.

Wenn AI beginnt, „Top 3 Produkte“ vorzustrukturieren, passiert etwas Entscheidendes: Mittelmaß verschwindet. Gewinner nehmen überproportional Anteil.

Amazon kontrolliert längst die Nachfrage und die Logistik. Jetzt kontrolliert Amazon auch die Entscheidungslogik. Das ist vollständige Systemkontrolle.
 
 
 
Amazon
Amazon als Betriebssystem des Handels – MCF geht in Europa live
Die neue Multi-Channel-Versand-App für Shopify ist jetzt auch in Europa live. Klingt erstmal nach einfacheren Prozessen. Aber das ist nicht der Punkt.

Amazon löst sich weiter vom eigenen Marktplatz. Nicht nur dort verdienen, wo gekauft wird – sondern überall, wo ausgeliefert wird.
  • Shopify-Bestellungen? Über Amazon.
  • eBay-Bestellungen? Über Amazon.
  • D2C? Über Amazon.
  • Dein Lager? Über Amazon.
Du gibst nicht nur Logistik ab – sondern Geschwindigkeit, Kostenstruktur und Teile deines Kundenerlebnisses. Abhängigkeit skaliert genauso mit wie die Effizienz.
 
 
 
Amazon Logistik
Neues Lieferzeitfenster: 14:00–19:00 Uhr
Amazon führt ein zusätzliches Same-Day-Lieferfenster von 14:00–19:00 Uhr ein – bei Bestellung bis 10:15 Uhr. Das bisherige Abendslot (18:00–22:00 Uhr) bleibt bestehen.

Meine Einschätzung: Direkte Reaktion auf JoyBuy und Quick-Commerce-Wettbewerber – aber gleichzeitig auch ein Effizienzthema. Volumen in planbarere Slots ziehen, Zustellwahrscheinlichkeit erhöhen, Marge pro Lieferung stabilisieren.
 
 
Artikel Watch
 
 
Artikel Watch
Kobosan & Thermomix: Wer nicht spielt, wird trotzdem bespielt
Kobosan Active – aus Italien importiert, keinerlei Optimierungsaufwand erkennbar – verkauft sich gut. Vorwerk bemüht sich aktiv darum, nicht auf dem Marktplatz aktiv sein zu wollen.

Das Ergebnis sehen wir in der Thermomix-Suche: „Entdecke verwandte Produkte“ und Wettbewerbsprodukte werden gepusht. Der Traffic wird weggenommen. Marken werden zusätzlich als Alternativen dargestellt.

Die Frage ist nicht ob, sondern wer die Sichtbarkeit bekommt.
 
 
 
Artikel Watch
1 Rezension. 1 Bild. Schlechte Übersetzung. Platz 3 in der Kategorie.
Radnabendeckel für VW – ein Bild, auf dem man kaum erkennt, was der Artikel überhaupt ist. Schlecht übersetzter deutscher Text. Eine einzige Rezension. Und trotzdem: Platz 3 in der Kategorie, 100+ Einheiten verkauft.

Was das zeigt: Algorithmus und Nachfrage schlagen manchmal perfekten Content. Ein wichtiger Reminder, dass Suchvolumen und Angebotsstruktur oft mehr entscheiden als Optik.
 
 
Tipps & Praxis
 
 
Advertising Tipp
Prüft eure Werbeslots – besonders bei fehlendem Bestand
Eine Geschichte, die eigentlich nicht passieren dürfte: Ein Artikel ohne Bestand läuft trotzdem in Sponsored Products-Kampagnen. Laut Amazon-Richtlinien darf ein Angebot nur dann angezeigt werden, wenn es vorrätig ist. In der Praxis sieht das manchmal anders aus.

Amazon selbst schreibt: „Ihr Angebot kann nur dann angezeigt werden, wenn es vorrätig ist.“ Und trotzdem landen Anzeigen ohne Bestand im Auktionssystem.

Handlungsempfehlung: Regelmäßig aktive Kampagnen prüfen – nicht nur auf Performance, sondern auch ob beworbene ASINs tatsächlich verfügbar sind. Automatischen Systemen nicht blind vertrauen.
 
 
 
Tipp
Amazons Versandkostengrenze steigt – behaltet es auf dem Radar
Die Grenze für kostenlosen Versand ohne Prime bewegt sich seit Jahren nach oben:
  • Bis Februar 2023: kostenloser Versand ab 29 €
  • Seit Februar 2023: kostenloser Versand ab 39 € (ohne Prime)
  • Seit 2025/2026: Amazon testet bei manchen Accounts 49 € oder sogar 59 € Mindestbestellwert
Das betrifft nicht euch direkt – aber eure Kunden. Wer ohne Prime bestellt und unter dem Schwellenwert liegt, sieht plötzlich Versandkosten. Das verändert Kaufentscheidungen, Warenkorbgröße und Conversion.
 
 
 
Amazon Ads
Zahlungsoptionen – Verwirrung, die sich aufgeklärt hat
Amazon hat kürzlich eine kleine Gruppe von Werbetreibenden über bevorstehende Änderungen an den Zahlungsoptionen informiert – was für Verwirrung gesorgt hat. Die offizielle Nachricht danach: Für die meisten Konten ändert sich nichts. Seller- und Anbieter-Guthaben, Debit-/Kreditkarte sowie Zahlung per Rechnung bleiben verfügbar.

Praxistipp: Falls ihr Amazon Advertising-Kosten noch nicht per Rechnung bezahlt – das war in der Vergangenheit ein sinnvoller Cashflow-Hebel. Ob das aktuell noch für neue Konten möglich ist, ist unklar. Einen Versuch wert ist es allemal.
 
 
Marktplatz-Radar
 
 
Zalando
Portugal & Griechenland live – Bulgarien folgt am 1. August 2026
Zalando beschleunigt seine europäische Expansion. Portugal und Griechenland sind seit dem 1. April 2026 live. Bulgarien folgt voraussichtlich am 1. August 2026. Mit diesen Märkten wäre Zalando in 28 europäischen Ländern vertreten.

Die Expansion folgt einem klaren Muster: Erst Partner einbinden und Logistik aufbauen, dann Consumer-Launch. Das Partner Program erlaubt Marken, neue Märkte ohne eigenes Lager zu erschließen. Laut Zalando deutet die Entwicklung auf weitere Märkte in Südosteuropa hin.
 
 
 
TikTok Shop
Polen, Niederlande, Belgien – der nächste Schritt steht bevor
TikTok Shop bereitet sich auf den Launch in Polen, den Niederlanden und Belgien vor. Das zeigen Stellenausschreibungen für ein „Strategic Readiness Team“ sowie Customer Solutions Manager mit Polnisch- oder Niederländischkenntnissen. Seller-Umgebungen wurden bereits eingerichtet – sind aber noch nicht live.

TikTok Shop ist derzeit in sechs europäischen Märkten aktiv – allen fünf größten E-Commerce-Märkten Europas plus Irland.
 
 
Daten & Studien
 
 
Studie
Live Commerce 2026: Whatnot Report
Der Live-Shopping-Markt hat ein Volumen von schätzungsweise 22 Mrd. USD in Nordamerika und Europa erreicht. 2025 wurden auf Whatnot 8 Mrd. USD GMV erzielt – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Die wichtigsten Zahlen:
  • 88 % der Seller erzielen höhere Umstätze als im klassischen E-Commerce
  • Seller, die täglich live gehen, verdienen 100–250x mehr als solche mit 1–2x pro Monat
  • Deutsche Daily-Seller auf Whatnot: Ø 106.000 € pro Monat
  • Größte Wachstumskategorien: Beauty (+791 %), Electronics (+444 %), Jewelry (+259 %)
Relevanz für Marketplace Seller: Live Commerce ist kein Nischenformat mehr. Es ist ein eigenständiger Vertriebskanal – und wächst in Kategorien, die klassisch auf Amazon dominiert wurden.
 
 
Amazon Updates
 
 
Markenbonus
Schnellere Gutschriften für neue Markenseller
Ab dem 26. März 2026 erhalten berechtigte Markenseller ihre Gutschriften innerhalb einer Woche statt wie bisher nach einem Monat. UK und EU werden nun als getrennte Regionen behandelt.
  • Bis zu 47.250 € Gutschriften in der EU (DE, FR, IT, ES)
  • Bis zu 42.000 £ Gutschriften im UK
  • 10 % Rabatt auf die ersten 45.000 € Markenverkaufe
  • 5 % auf die nächsten 855.000 €
Voraussetzung: Markenregistrierung innerhalb von 6 Monaten nach der ersten verkaufbaren ASIN.
 
 
 
USt-Berechnungsservice
Neue Berechnungsmethode ab 1. Juni 2026
Ab dem 1. Juni 2026 wird die Umsatzsteuer auf Sendungsebene statt pro Einheit berechnet – zur Anpassung an europäische Vorgaben für elektronische Rechnungsstellung. Die tatsächlich abgeführte Steuer bleibt korrekt – aber Rechnungen sehen anders aus als bisher.

Action: Wer eigene Buchhaltungssysteme oder Schnittstellen betreibt, sollte prüfen, ob Rechnungsimporte oder Abgleiche davon betroffen sind.
 
 
 
Förderung
Amazon Sustainability Accelerator: 23.000 € für nachhaltige Brands
Ab dem 4. Juni 2026 öffnet die Bewerbungsphase – 9-wöchiges Förderprogramm für Markeninhaber mit nachhaltigeren Produkten, registriert in der EU oder UK.
  • 23.000 € in Zuschüssen und Credits
  • Fachkundige Betreuung + Präsenzveranstaltungen
  • Vorjahres-Teilnehmer: Ö +240 % Umsatzwachstum, 6 Mio. € Finanzmittel in 6 Monaten
Erfolgreiche Kandidaten werden bis 11. Mai 2026 bekanntgegeben.
 
 
Prime Day 2026
 
 
Prime Day
Was Seller jetzt wissen müssen
Amazon hat die Spielregeln für den Prime Day aktualisiert. Exklusive Prime-Rabatte und Angebote müssen künftig mindestens 5 % unter dem niedrigsten Verkaufspreis der letzten 30 Tage liegen – inklusive früherer Aktionspreise, Gutscheine und Rabatte.

Gebühren Deutschland:
  • Vorabgebühr: 16 € pro Aktion
  • Variable Gebühr: 0,75 % des Aktionsumsatzes (max. 1.000 €)
  • Frühbucher-Bonus: 30 % Rabatt auf Vorabgebühr bei Einreichung bis 30. April
Wichtige Daten:
  • Einreichungsfenster: 24. März – 19. Juni 2026
  • FBA-Lagerbestand muss bis 27. Mai 2026 bei Amazon eingegangen sein
 
 
 
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