Marketplace Signals KW 31

Share
Marketplace Signals KW 31 · 2026
Wochenausgabe

Diese Woche wird klar: Amazon baut nicht mehr für Käufer – Amazon baut für Käufer-KIs

Mehrere Änderungen laufen diese Woche parallel, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: eine neue KI-Kennzeichnungspflicht, kürzere Produkttitel, veränderte Suchergebnisse, eine KI-Seller-App bei Meta. Zieht man sie zusammen, zeigt sich ein Muster – und ich hab mir für diese Ausgabe die Zeit genommen, mehrere davon selbst live zu testen statt nur zu berichten.

Marketplace Signals Index

🎯 Meine Wette der Woche

Ich glaube, dass der BILD Marktplatz Ende 2026 nicht mehr existiert.

Warum ich das glaube: Ich kenne keinen einzigen Händler, für den der BILD Marktplatz heute eine relevante Rolle spielt. In der Branche hört man praktisch nichts mehr über die Plattform. Auch das öffentliche Kundenfeedback ist alarmierend – aktuell 1,5 von 5 Sternen auf Trustpilot, bei 78 Bewertungen.

Natürlich ist das meine persönliche Einschätzung – keine Information aus dem Unternehmen.

Trefferquote bisher: 0/0

💡 Wenn es mein Unternehmen wäre ...

... würde ich meinen Produktnamen nicht mehr im Amazon-Titel verschwenden.

Seit der Einführung der 75-Zeichen-Titel zählt jedes Zeichen. Den Produktnamen kennt Amazon bereits, die Marke wird ohnehin separat angezeigt. Ich würde den Titel konsequent für Begriffe nutzen, die dem Kunden bei der Kaufentscheidung helfen: Produkttyp, wichtigste Eigenschaft, Material, Einsatzbereich, Größe. Gerade jetzt, wo Amazon seine Produktdetailseiten immer stärker für KI strukturiert, dürfte jedes unnötige Zeichen wertvoller werden.

👀 Bitte Augen auf

Diese Woche überrascht mich, wie schnell sich zwei Amazon-Auffälligkeiten gleichzeitig häufen – falsche ASIN-Darstellungen und neue Konkurrenzprodukt-Einblendungen auf kaufbaren Seiten. Ausführlich weiter unten unter 🚨 Marketplace Watch.

Das beobachte ich außerdem: Nach dem Rollout der 75-Zeichen-Titel werden viele Product Highlights automatisch übernommen – teils mit abgeschnittenen Satzfragmenten. Wer jetzt manuell optimiert, hebt sich sichtbar ab.

📈 Gewinner

🇬🇧 Großbritannien

+11,7 % Online-Wachstum

📉 Verlierer

🛒 BILD Marktplatz

1,5 Sterne bei Trustpilot

❌ Irrtum der Woche

"Die EU vereinfacht den grenzüberschreitenden Handel." Genau das Gegenteil passiert gerade.

Nur wenige Wochen vor dem Start der PPWR (12. August) hat der Rat der Europäischen Union die geplanten Erleichterungen beim EU-Bevollmächtigten gestoppt – eine große Mehrheit der Mitgliedstaaten war dagegen. Für Händler bedeutet das: keine Übergangslösung, keine kurzfristige Entlastung, die bestehenden Anforderungen bleiben bestehen.

Die eigentliche Ironie: Die EU will den Binnenmarkt stärken – gleichzeitig steigen für Händler die Anforderungen: zusätzliche Registrierungen, nationale Bevollmächtigte, laufende Meldungen, höhere Compliance-Kosten. Der Rat verweist auf eine umfassendere EPR-Überprüfung im Herbst 2026 – für Händler, die ab dem 12. August liefern, kommt das zu spät.

🟧 Meine Einordnung: Wer heute in mehrere EU-Länder verkauft, sollte jetzt prüfen, in welchen Ländern EPR-Pflichten bestehen, ob ein nationaler Bevollmächtigter erforderlich ist, und ob bestehende Registrierungen vollständig sind. Mehr dazu in der PPWR-Sonderausgabe.

🟥 Signal der Woche

KI-generierte Personen in Produktbildern: Kennzeichnungspflicht ist da – und der Grund ist größer als Amazon

Seit dem 22. Juli verlangt Amazon von Sellern, fotorealistische KI-generierte Personen in Produktbildern und A+-Content mit einem Metadaten-Tag zu kennzeichnen, bevor das Bild hochgeladen wird. Das Timing verrät die eigentliche Story.

Drei Gesetze laufen gerade zusammen

EU AI Act, Art. 50

Ab 2. Aug. Bußgelder bis 15 Mio. € / 3 % Jahresumsatz.

New York, USA

Seit 9. Juni. 5.000–10.000 $ pro Verstoß.

Kalifornien SB 1050

Noch in Beratung. Bis zu 5.000 $/Tag geplant.

Amazon baut sich hier also keine Insel-Policy, sondern eine globale technische Infrastruktur, die mehrere gleichzeitig entstehende Gesetze mit einem einzigen Standard abdeckt.

Was konkret zu tun ist

Das Schlüsselwort contains-synthetic-performer muss ins XMP-Feld dc:subject der Bild-/Videodatei, bevor sie hochgeladen wird.

  • macOS: Vorschau → Cmd+I → Tab "Suchbegriffe" → Tag eintragen
  • Windows: Datei-Explorer → Eigenschaften → Details → Feld "Tags" (nicht "Betreff")
  • Kommandozeile: exiftool -XMP-dc:Subject+=contains-synthetic-performer datei.png

Wann NICHT kennzeichnen

Echte Personen (auch KI-bearbeitet), Figuren aus Filmen/Games/kreativen Werken, Bilder ohne Personen, nicht-fotorealistische Darstellungen.

Wichtig zur Einordnung: Amazon selbst nennt kein explizites Strafmaß fürs Nicht-Tagging. Die eigentliche Gefahr liegt bei den Gesetzen selbst – EU AI Act, NY-Gesetz, potenziell Kalifornien greifen unabhängig von Amazons Plattformregeln.

Praxis-Checkliste

  1. Bildbestand jetzt durchgehen, wenn KI-Model-/Lifestyle-Bilder im Einsatz sind
  2. Tagging in den Erstellungsworkflow einbauen, nicht nachträglich flicken (z. B. Skript bei Bulk-Uploads)
  3. Rechtliches Risiko nicht auf Amazon reduzieren – EU/NY/CA-Gesetze gelten unabhängig
🟧 Wichtige Entwicklung · Amazon

75-Zeichen-Titel sind jetzt live – und wirken eher für die KI gemacht als für den Kunden

Wir hatten die 75-Zeichen-Regel und das neue Artikel-Highlights-Feld hier schon vorab eingeordnet. Seit Montag, dem 27. Juli, ist sie live. Mein erster Eindruck beim Durchklicken: Sieht ehrlich gesagt noch gar nicht fertig aus – und wirkt in der aktuellen Form eher für Maschinen gebaut als für Käufer.

Der Rollout selbst ist löchrig

Nicht mal innerhalb einzelner Kategorien ist die Umstellung durch. In den Bikini-Suchergebnissen liegt ein CUPSHE-Listing direkt neben einem Ekouaer-Artikel – Ekouaer wirkt bereits spürbar kompakter, CUPSHE trägt noch die Handschrift des alten Formats.

Bikini-Suche: uneinheitlicher Rollout

Strukturell umgestellt, aber inhaltlich roh

Bei einem anderen CUPSHE-Listing ist der Titel bereits sauber auf "CUPSHE Bikini Damen Set Triangel Kontrastpaspel Brazilian Zweiteilig" gekürzt. Direkt darunter die neuen Artikel-Highlights:

"V-Ausschnitt,Niedriger Bund,Gekreuzter Rücken,Selbstbindend,Spaghettiträger,Für Strand und,Bademode,Zweiteiliger,Badeanzug"
CUPSHE PDP: gekürzter Titel

Keine Leerzeichen nach den Kommas. Satzfragmente. Ein Begriff mitten durchtrennt: "Für Strand und | Bademode". Das wirkt wie ein automatisiert zusammengeschnittener Rest des alten Langtitels – nicht wie redaktionell aufbereiteter Content für einen Kunden, der gerade entscheiden soll, ob er kauft.

🟧 Meine Einordnung

Für einen Menschen ist das schlicht unfertig und schwer lesbar. Für eine Maschine ist die Struktur fast ideal – jedes Merkmal einzeln erkennbar, sauber durch Kommas getrennt, leicht parsbar. Amazon hat hier ein Feld geschaffen, das strukturell auf maschinelle Lesbarkeit optimiert – und die eigentliche Aufbereitung für den menschlichen Betrachter findet (noch) nicht statt.

Für Händler heißt das

Wer jetzt selbst sauber nacharbeitet – Highlights redaktionell formuliert statt automatisiert generiert – hebt sich gerade sichtbar von Wettbewerbern ab, die es der automatischen Umstellung überlassen haben. Ein Zeitfenster, das sich in ein paar Wochen wieder schließt, sobald alle nachgezogen haben.

🚨 Marketplace Watch

Amazon zeigt Konkurrenzprodukte jetzt auch bei kaufbaren Angeboten

1. Falsche ASIN-/Produktdarstellung

Mir sind diese Woche zwei Amazon-Auffälligkeiten gleichzeitig aufgefallen. Die erste: Mehrere Händler berichten von einem technischen Fehler, bei dem im Frontend ein anderes Produkt bzw. eine andere ASIN angezeigt wird als im Seller Central hinterlegt. Wirkt dadurch wie eine fehlerhafte Buy-Box-Vergabe, scheint aber ein Darstellungs-/Zuordnungsproblem zu sein. Wer aktuell ungewöhnliche Buy-Box-Verluste feststellt: Backend und Live-Produktseite vergleichen, keine vorschnellen Preis- oder Listing-Anpassungen, solange Amazon das untersucht.

2. Konkurrenzprodukte auf kaufbaren Seiten

Beim Testen habe ich entdeckt: Selbst bei kaufbaren Produkten mit vorhandenen Angeboten blendet Amazon oberhalb der Produktdetailseite inzwischen alternative Artikel ein ("Berücksichtige diese alternativen Artikel"). Bislang erschien dieser Bereich meist nur bei Out-of-Stock oder fehlender Buy Box.

Amazon PDP mit Alternativartikeln

Mögliche Erklärungen: eine unterdrückte oder instabile Buy Box, ein laufender A/B-Test zu mehr Cross-Selling direkt oberhalb der PDP, oder ein Preis-/Verfügbarkeits-Signal – im Beispiel-Screenshot steht rechts "Höherer Preis als üblich".

🟧 Meine Einordnung

Noch zu früh für eine gesicherte Einordnung, aber ich beobachte das genau. Sollte Amazon das dauerhaft ausrollen, verändert sich die Rolle der Buy Box fundamental: Wer sie verliert oder nicht stabil hält, riskiert dann nicht mehr nur geringere Conversion – sondern lenkt Käufer aktiv zu Konkurrenzprodukten direkt auf der eigenen Produktseite.

🟧 Wichtige Entwicklung · TikTok Shop

TikTok baut leise die Amazon-Infrastruktur nach – aber erstmal nur für die Großen

Amazon TikTok
PrimeShop Plus (Test, aktuell nur USA)
FBAFulfilled by TikTok (FBT)
Amazon LiveTikTok Live Shopping
DSPTikTok Ads
InfluencerCreator Affiliate
ProduktsucheProduktentdeckung

Nur hier

Ich begleite gerade einen Händler beim Einstieg in den TikTok Shop – direkter Blick auf den aktuellen Onboarding-Prozess. Dazu gehören: Registrierung im Seller Center, Verknüpfung mit bestehendem TikTok-Konto, Aufnahme in Lark (TikToks interne Kommunikationsplattform), direkter Austausch mit dem TikTok-Onboarding-Team.

Am spannendsten: TikTok bat im Onboarding um einen Screenshot eines Shops mit mindestens 2,5 Mio. Euro GMV. Das spricht dafür, dass bestimmte Programme gezielt auf größere Händler zugeschnitten sind. Ob die Schwelle generell gilt, ist offen – genau das beobachte ich weiter. Mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben.

Diese Woche getestet · Amazon

Amazon testet: Suchergebnisse lassen sich jetzt mehrfach verfeinern

1. Prime-Logo aufgewertet: Ein eingekreister Haken hebt den Prime-Faktor jetzt noch deutlicher hervor.

2. Kumulative Keyword-Chips über "Suche eingrenzen": Suche ich "Lammfell", zeigt Amazon eine Chip-Zeile mit Keywords wie Waschbares, Ökologisch, Weste, Hausschuhe. Klick auf einen Chip ergänzt die Suchleiste automatisch – und das funktioniert mehrfach hintereinander.

Suche eingrenzen: Lammfell

Beleg per Screenshot bei "Gartenschlauch": Erste Suche zeigt Chips wie Flexibel, Textil, Kärcher, 30m, Halterung. Klick auf "Flexibel" → Suchleiste wird zu "flexibler gartenschlauch" – und die Chip-Zeile wechselt komplett zu neuen, spezifischeren Filtern: 20m, Dehnbar, Aufhängung, Düsen-Set, Aufbewahrungsbox.

Probiert's selbst: Sucht "Gartenschlauch", klickt "flexibel" – und schaut, welche neuen Chips erscheinen.

Die Chips sind also nicht fix, sondern reagieren dynamisch auf die bereits gewählte Verfeinerung. Was noch nicht zuverlässig funktioniert: der direkte Prime-Filter parallel zu den Keyword-Chips.

🟧 Meine Einordnung

Die Chips zeigen, welche Begriffe Amazon für eure Kategorie als besonders relevant einstuft. Klickt euch selbst durch eure Suchbegriffe und prüft, ob diese Chip-Keywords in Titel, Highlights und Ads auftauchen – gerade Zubehör-Chips wie "Aufhängung" oder "Aufbewahrungsbox" werden leicht übersehen.

🟧 Wichtige Entwicklung

Shein schreibt erstmals Verlust – das Ende des Hyperwachstums?

Q1 2026

−99 Mio. $

Q1 2025

+395 Mio. $

Umsatzwachstum brach von +41 % (2023) über +8 % (2025) auf nur noch +1,1 % im Q1 2026 ein. Gesamtjahr 2025: 41,8 Mrd. $ Umsatz (+8 %), aber Gewinn −38,7 %.

🟧 Meine Einordnung: Der Verlust ist zur Hälfte ein Bilanzeffekt – 328 Mio. $ einmalige Neubewertung von Vorzugsaktien vor dem geplanten Hongkong-IPO. Operativ war Shein weiterhin profitabel, die Marge sank aber von 3,9 % auf 2,9 %. Gleichzeitig wuchs die Kundenzahl auf 281 Mio. (von 241 Mio.) – trotz einbrechender Margen kommen mehr Kunden.

Warum relevant: Wegfall von Zollprivilegien in den USA und der EU trifft Shein und vergleichbare Modelle (Temu, AliExpress) strukturell. Für europäische Händler könnte sich der Wettbewerb künftig stärker über Sortiment und Marke statt nur über den Preis entscheiden.

🟧 Wichtige Entwicklung

YouTube Shopping in Großbritannien – unterschätzter nächster Shopping-Kanal?

YouTube hat Ende Juni sein Shopping Affiliate Programme in UK gestartet – Launch-Partner: M&S, NEXT, Boots, Debenhams, Currys, Etsy, Wayfair. Bemerkenswert: Mit Etsy und Wayfair sind auch zwei reine Online-Marktplätze von Anfang an dabei.

Creator markieren Produkte in Videos, Shorts und Livestreams; Zuschauer klicken direkt zum Händler. Laut YouTube erzielen markierte Produkte bis zu 50 % mehr Klicks als Links in der Videobeschreibung. Zum UK-Launch wurde die Subscriber-Schwelle für Creator von 1.000 auf 500 gesenkt.

🟧 Meine Einordnung: TikTok lebt von Impulskäufen, YouTube begleitet die Phase vor der Kaufentscheidung (Produkttests, Vergleiche, Tutorials). Mit dem Affiliate-Programm wird daraus ein nahtloser Kaufprozess – besonders spannend für erklärungsbedürftige, höherpreisige Produkte. Bislang nur UK, keine DE/EU-Ankündigung.

🟧 Wichtige Entwicklung

Deutschland feiert +4,3 % – Großbritannien wächst um +11,7 %

Kennzahl 🇩🇪 DE 🇬🇧 UK
Wachstum (Q2)+5,1 %+11,7 %
Aktuellster Wert+4,3 % (H1)+14,4 % (Juni)
Online-Anteil Einzelhandel~13,5 %29,4 %
Marktplätze+6,4 %zweistellig

Fast jeder dritte Euro im britischen Einzelhandel landet inzwischen online – in Deutschland gut jeder achte. Großbritannien war historisch oft Frühindikator für Trends, die später auch auf dem Festland ankamen.

Praxis-Move: Remote Fulfillment mit Versand durch Amazon

Wer FBA-Lagerbestand in Deutschland hat, kann sich für Remote Fulfillment registrieren (früher: Europäisches Versandnetzwerk) – Amazon versendet Bestellungen automatisch nach UK, ohne eigenes UK-Lager, ohne UK-USt-Nummer, voll Prime-fähig. Genau der niedrigschwelligste Weg, um am UK-Wachstum von oben teilzuhaben.

Voraussetzung in Kürze: gleiche SKU in Ausgangs- und Zielmarkt, Artikelpreis unter 150 € (EU) / 135 £ (UK), Lagerbestand in UK bzw. EU4 (DE, FR, IT, ES). Ausgeschlossen sind Hazmat- und Heavy-&-Bulky-Artikel.

Der Haken: Seit 1. Juli gilt der EU-Einfuhrzoll von 3 € pro Artikel auf Sendungen unter 150 € aus Nicht-EU-Ländern – UK zählt seit Brexit dazu. Bei Remote Fulfillment von UK nach DE kommt dieser Zoll automatisch on top, wird von Amazon direkt beim Checkout eingezogen.

🟩 Beobachtungsliste · Diese Woche getestet

Temu: Fast zwei Drittel der Top-Suchergebnisse sind jetzt Werbung

Temu Suche mit AD-Labels

Stichprobe zu "squeeze dumpling": In den ersten fünf Ergebnis-Reihen (25 Artikel) tragen 16 ein "AD"-Label – 64 % Ad-Quote, nur 9 Treffer organisch.

ReiheAnzeigenOrganisch
14/51/5
23/52/5
33/52/5
44/51/5
52/53/5

Im "Entdecke deine Interessen"-Feed setzt sich das Bild fort. Zusätzlich: Temu fährt das eigene Affiliate-Programm hoch – Tracking-Link über das Impact-Netzwerk, Kampagnenpartner "WorthEPenny" (US-Coupon-Portal).

🟧 Meine Einordnung

Der organische Anteil lag früher spürbar höher (persönliche Beobachtung, keine Temu-Statistik). Wenn fast zwei Drittel der wichtigsten Sichtfläche bezahlt sind, wird Sichtbarkeit zunehmend eine Frage des Werbebudgets. Auch ein Niedrigpreis-Modell wie Temu bewegt sich Richtung Amazon-typischer Ad-Monetarisierung, sobald reines Wachstum an Grenzen stößt – wer auf Temu verkauft, sollte Werbebudget fest einplanen.

Hinter den Kulissen · Amazon

Amazon-Auszahlungsstörung: Was wirklich passiert ist – und die Checkliste fürs nächste Mal

Wie es sich live anfühlte (22. Juli)

In mehreren Händler-Communities häuften sich nahezu identische Fehlerbilder: Auszahlungen als fehlgeschlagen angezeigt, Seller Central behauptete plötzlich fehlende Bankverbindungen, bereits verfügbare Beträge verschwanden wieder. Erste Besserung zeigte sich daran, dass Trace-IDs mit rund 36 Stunden Verzögerung wieder auftauchten – eine offizielle Erklärung gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Die offizielle Auflösung

Ein paar Tage später kam Amazons Erklärung direkt per Mail an betroffene Seller: Zwischen dem 18. und 21. Juli führte ein Verarbeitungsfehler beim Bankpartner zu verzögerten Überweisungen, Konten wurden teils vorübergehend gesperrt. Problem behoben, Zahlungen sollten innerhalb von 3–5 Werktagen ankommen – die zeitliche Deckung mit den Community-Berichten ab dem 22. Juli ist eindeutig.

Checkliste fürs nächste Mal

  1. Bankverbindung nicht vorschnell ändern – erneute Zuweisung kann zusätzliche Prüfungen auslösen
  2. Seller Central gegen tatsächliche Zahlungseingänge abgleichen, nicht nur Statusanzeige vertrauen
  3. Community-Signale als Frühwarnsystem nutzen, bevor man in Panik verfällt
⚪ Newsflash / Radar

Amazon Seller University jetzt für alle offen. Kein Verkäuferkonto mehr nötig, über 125 kostenlose Schulungsthemen. Bislang nur bestätigt für den US-Marketplace.

Amazon streicht Teilnahmevoraussetzung fürs "Hervorgehobene Angebot". Ab 20. Juli für EU/UK-Seller – Auswahlkriterien (Preis, Lieferzeit, Leistung) bleiben unverändert, kein Handlungsbedarf.

Geschäftsbedingungen für das Partnered-Carrier-Programm (PCP) aktualisiert. Ab 31. Juli in UK, DE, FR, IT und ES – klärt Rollen und Zuständigkeiten von Sellern, Transportdienstleistern und Amazon neu. Keine Auswirkung auf die Nutzung, kein Handlungsbedarf.

Michael's Watchlist

Nur Termine, die ich selbst beobachten würde.

DatumEreignisPrio
2. Aug.EU AI Act Art. 50 tritt in Kraft🔴
5. Aug.Frühbucher-Deadline Prime Big Deal Days (−30%)🔴
12. Aug.PPWR (EU-Verpackungsverordnung) tritt in Kraft🟧
13. Aug.DD+7-Migration (Runde 18)🟧
17. Aug.AWD Europa-Launch🟧
1. Sept.OTDR-Deaktivierungsfrist🔴
5. Sept.Frühbucher-Deadline Black Friday (−30%)🟧
27. Sept.EU ECGT – Umweltaussagen-Pflicht🟢
18. Nov.Letzte Einreichung Black Friday-Woche

Vollständige Deadline-Übersicht inkl. Q4-Fristen: separate Sonderausgabe.

Frage der Woche · aus der Community

Müssen bereits veröffentlichte A+-Inhalte mit KI-generierten Bildern nachträglich gekennzeichnet werden?

Antwort: Nein – zumindest nach aktuellem Stand nicht pauschal. Amazon verlangt die Kennzeichnung vor dem Hochladen, wenn ein Bild oder Video eine fotorealistische, vollständig KI-generierte Person enthält. In diesem Fall muss das Metadaten-Tag contains-synthetic-performer in der Datei hinterlegt werden. Anschließend kann Amazon einen entsprechenden Hinweis für Kunden anzeigen.

Keine Kennzeichnung ist erforderlich, wenn:

  • nur echte Personen zu sehen sind (auch wenn diese mit KI bearbeitet wurden),
  • keine Personen abgebildet sind, oder
  • die dargestellten Personen nicht fotorealistisch sind.

Praxis-Tipp: Wer künftig A+-Content oder Produktbilder mit KI-generierten Models erstellt, sollte die Metadaten bereits vor dem Upload ergänzen. Eine allgemeine Pflicht, bereits veröffentlichte Bilder nachträglich erneut hochzuladen und zu kennzeichnen, beschreibt Amazon in der Hilfedokumentation derzeit nicht.

Mein Fazit der Woche

Diese Woche wirken die Nachrichten zunächst völlig unterschiedlich: KI-Gesetze, 75-Zeichen-Titel, Suchfilter, Konkurrenzprodukte auf der PDP und Metas Seller-App. Für mich erzählen sie aber alle dieselbe Geschichte: Plattformen strukturieren ihre Inhalte immer stärker für KI-Systeme statt für Menschen. Wer Listings künftig nur für den Algorithmus oder nur für den Kunden optimiert, wird verlieren. Gewinner werden diejenigen sein, die beides gleichzeitig schaffen.

Vielen Dank fürs Lesen.

Bei Fragen, Anregungen, Themen etc. schreib mir eine Mail an michael@mi-commerce.expert.

Michael

Marketplace Signals · mi-commerce.expert · KW 31 · 2026